Lehrveranstaltungen in Kooperation 

Die Mitglieder des Bonner Zentrums für Versöhnungsforschung bieten unterschiedliche Lehrveranstaltungen an. Hier erhalten Sie eine Übersicht über die aktuellen Veranstaltungen. 

Versöhnung in der Antike 
(Leitung: Winnfried Schmitz)

Zielgruppe: Masterstudierende

In der Antike sind viele Kriege geführt und viele Friedensverträge geschlossen worden. Aber gab es in der Antike ein über den reinen Friedensvertrag hinausgehendes Konzept der Versöhnung. Im Hauptseminar soll diese in der historischen Forschung aktuelle Frage an die Antike angelegt werden. In welchen Kontexten kam es zu Versöhnungen, nach Kriegen, nach Bürgerkriegen oder in zwischenmenschlichen Beziehungen? Unterschied die antike Literatur zwischen Friedensschluss und einer darüberhinausgehenden Versöhnung?

Friedensbewegungen im 19. und 20. Jh.

(Leitung: Christine Krüger)

Zielgruppe: Materstudierende

 
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen sich zivilgesellschaftliche Initiativen zur Friedenswahrung transnational organisieren. Die Aktivist:innen der entstehenden Friedensbewegung folgten religiösen, humanitären oder politischen Überzeugung, konnten aber mit auch wirtschaftlichen Motiven argumentieren oder ihre Friedensvorstellungen aus der Frauenrechtsbewegung heraus entwickeln. Angesichts der verbreiteten Hochschätzung militärischer Werte, verblieben sie jedoch in einer Außenseiterposition. Erst nach den beiden Weltkriegen gewannen pazifistische Strömungen an Gewicht. In der Übung fragen wir nach den Entstehungsbedingungen, Handlungsspielräumen, Einflussmöglichkeiten und Ausprägungen von pazifistischem Engagement im transnationalen Kontext.

Solidarität im 19. und 20. Jahrhundert. Konzepte und Praktiken  (Leitung: Christine Krüger)

Zielgruppe: Bachelorstudierende

Das Thema Solidarität hat in den letzten Jahren nicht nur in den Medien, sondern auch in der Geschichtswissenschaft an Aufmerksamkeit gewonnen. Hintergrund waren zum einen die allgemeine Sorge vor einer „Entsolidarisierung“ als Folge eines immer weiter ausgreifenden Neoliberalismus, zum anderen die gesellschaftlichen Herausforderungen, die mit Fluchtbewegungen oder Coronapandemie einhergingen. Der Begriff „Solidarität“, den der Historiker Frank Bösch als einen „Leitbegriff der Moderne“ bezeichnet, ist eng verknüpft mit dem Gleichheitsgedanken bzw. im weiteren Sinne der Demokratisierung. Er entstand im 19. Jahrhundert im Kontext der Arbeiterbewegung, wurde aber schnell auch von Juden im Abwehrkampf gegen den Antisemitismus sowie auch von der Frauenbewegung aufgegriffen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde er zunächst zur kommunistischen Kampfparole, dann zu einem Leitbegriff der sog. „Dritte-Welt-Bewegung“.  In dem Seminar wollen Diskurse und Praktiken der Solidarität im transnationalen Kontext analysieren.


Soziologie der Schuld 

(Leitung: Esther Gardei, Hans-Georg Soeffner)

Zielgruppe: Masterstudierende und externe Interessierte

Was ist „Schuld“ und wie kann das Phänomen soziologisch erfasst werden? Was unterscheidet Formen individueller von kollektiver Schuld? Lassen sich Schuld-Diskurse in den letzten Jahren ausmachen – zuletzt im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine? Wie erklärt sich die Faszination des Schuldigwerdens und des Verbrechens in der Literatur, der bildenden Kunst und der Politik? Bevor unterschiedliche Fallbeispiele diskutiert werden, wird zunächst der Begriff „Schuld“ untersucht. Dabei soll – auch unter Berücksichtigung anderer disziplinärer Perspektiven - eine grundlegende theoretische Einordnung unterschiedlicher Wissensfelder geleistet werden. Der Begriff wird in der Theologie unter anderem verwendet, um die persönliche Schuld als Maßstab zur Beurteilung des Menschen im Diesseits zu beschreiben; die Philosophen nutzen ihn zur Entwicklung von Ethiken und in der Rechtswissenschaft dient er im Straf-und Zivilrecht als Kategorie zur Ermittlung der Schwere von Straftaten. Politikwissenschaftler oder Historiker erörtern seit jeher die Frage nach der Kriegsschuld (Bachhiesl et al 2020). Das Seminar wurde von Frau Gardei (Soziologie, Fachbereich Abhängigkeitsforschung) durchgeführt und Hans-Georg Soeffner (Soziologie, Sprecher des Zentrums für Versöhnungsforschung) begleitet. 
 
 24. November 2022 - Prof. Dr. Manfred Prisching - Schuld
1. Dezember 2022 - Dr. Saskia Fischer - Schuld in der Literatur nach 1945
8. Dezember 2022 - Dr. Dirk Stolpe - Adolf Eichmanns Anwalt Servatius und die Frage der Schuld
15. Dezember 2022 - Prof. Dr. Matthias Weller - Zur Restitution nationalsozialistischer Raubkunst: Was ein 'Restatement of Restitution Rules' leisten könnte
19. Januar 2023 - Prof. Dr. Roberto Pich – Sklaverei und Schuld


Versöhnung. Theorie und Empirie (Ringvorlesung)
(Leitung: Esther Gardei, Hans-Georg Soeffner, Michael Schulz)

Zielgruppe: Masterstudierende und externe Interessierte

Die Ringvorlesung bietet eine Exkursion durch historische und aktuelle Konfliktzonen, in denen sich Potentiale zur Versöhnung abzeichnen. Case Studies zeigen sowohl Tiefenstrukturen‘ (Noam Chomsky) von Konfliktkonstellationen als auch ,Oberflächenstrukturen‘ der Konfliktbearbeitung in historisch, kulturell oder religiös variierenden Formen, zu denen Versöhnung, aber auch alternative Strategien und Modelle der Konfliktlösung gehören. Die Veranstaltungen werden u.a. von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Clustets of Excellence "Bonn Center for Dependency and Slavery Studies", der Transdisziplinären Forschungsbereiche TRA 4 ‚Individuen, Institutionen und Gesellschaften‘ sowie TRA 5 ‚Vergangene Welten – Zeitgenössische Fragen: Kulturen in Zeit und Raum‘ begleitet und gestaltet.

Klicken Sie hier, um einen Text einzugeben.

Empirische Exilforschung (Leitung: Esther Gardei)

Zielgruppe: Bachelorstudierende 

Das Seminar sensibilisierte im Wintersemester am Beispiel der Exil-Geschichte der deutschen Juden in Palästina (genannt ‚Jeckes‘) für die Komplexität von Fragestellungen der Migrations-und Exilforschung insgesamt. Dabei wurden mit Primärquellen als empirischen Daten – Interviews mit Zeitzeugen, Zeitschriften, Videos, Objekten und Fotos – gearbeitet und unterschiedliche qualitative Methoden (zum Beispiel biographische Methode) vermittelt. Ausgehend von der Geschichte der deutschen Juden im Exil, konnten Studierende im Kurs eigenständig gegenwärtige Beispiele des „Exils“ in Deutschland untersuchen (z.B. Aleviten und Sunniten in der Diaspora; aus der Ukraine Geflüchtete). Dabei konnten unterschiedliche Komplexe – Fragen des Alltags im Exil, Genderfragen o.a. – im Sinne einer multidirektionalen Geschichtsschreibung kontrastiert werden. Studierende sollen dazu befähigt werden, Primärquellen als Schlüssel zur Erforschung von Fragestellungen des Exils und der Migration zu begreifen und nutzen zu können.  Welche Visionen hatten Exilanten für Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkrieges? Im Sommersemester 2023 findet das Seminar in Kooperation mit dem Deutschen Exilarchiv in der Frankfurter Nationalbibliothek statt ( Dr. Jörn Hasenclever). Der Fokus liegt im Sommersemester auf den Alltagserfahrungen von Frauen, die sich insbesondere in Exilzeitschriften finden. Gefragt wird danach, ob es spezifisch weibliche Umgangsformen mit der Exilerfahrung gibt.

Die Veranstaltung findet im Sommersemester 2023 erstmals in Kooperation mit dem Deutschen Exilarchiv Frankfurt am Main statt.

 


Wird geladen